Alle Beiträge von validd

Häuser

Im Kontext meiner Fotoserie „Balkan Blues“,  die ich im Oktober 2017 ausstelle, fiel mir diese Erzählung ein, die ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Sie ist mehr ein Entwurf als ein fertiger Text, aber vielleicht passt das gerade deshalb zum Thema. Das Unfertige, Provisorische ist etwas, was ich mit meinem Geburtsland verbinde.

Balkan Blues

Zuhause, das sind die Krakenarme der Heimat, die einen zurückziehen wollen in den Arsch der Welt. Und hier ist mehr Arsch als Welt.
Meine Freundin A.

Wieso liegt hier eigentlich überall Müll rum? Wasserflaschen, Getränkekartons, Snackpackungen. Aber vor allem Plastiktüten, überall Plastiktüten. Die Feldern sind gesprenkelt mit weißen Plastiktüten, die der dunkelbraunen Erde untergepflügt sind. Das ganze Land ist bedeckt von einer Schicht Plastik.

Sie ist auf dem Weg nach Hause. Das sagt jedenfalls die Mutter: Wann kommst Du nach Hause? Auch wenn dieses Zuhause sich anfühlt wie eine andere Welt.

Sie fahren über die Autobahn, an Ziegelhäusern in verschiedenen Baustadien vorbei. Sie warten in der Schlange, um die Autobahngebühr zu bezahlen. Vor einem Haus hinter der Autobahnabsperrung sitzt eine Familie auf der Veranda aus blankem Beton – Mutter, Vater, Kinder, Großeltern – und essen zu Mittag. Die Mutter steht und gibt das Essen auf die Teller. Zuerst müssen alle anderen satt werden, erst dann wird sie sich hinsetzen und selbst essen. Das, was übrig bleibt. Sie fahren weiter, am Fernsehturm Avala vorbei, der seit Jahren renoviert wird, seit er 1999 von den NATO-Bomben getroffen wurde.

Häuser weiterlesen

Fremd sein – Ausstellung im Salon Wellenmaschine und im Wassertorkiez

Eröffnung am Donnerstag, 5. Oktober 2017 um 19 h im Salon Wellenmaschine, Wassertorstr. 62, 10969 Berlin.
6. bis 22. Oktober 2017, Do–Fr 12.00–18.00, Sa–So 12.00–19.00.
6. bis 31. Oktober 2017 in den Schaufenstern im Wassertorkiez (Kastanienplatz).

Konzept und Leitung: Ann-Christine Jansson | www.jansson-photography.com

Mit fotografischen Arbeiten von
Jürgen Alex: Blind Vertrauen
Ricardo Diaz-Granados Zabarain: Der Fremde in mir
Valie Djordjevic: Balkan Blues
Elena Giampaoli: Der Geiger
Clemens Grün: Faszination des Rennens
Gerald Leitner: Andacht
Evgeniya Leonova: Hoffnung
Giuliano Moustakis: Reserviert
Tim Pieper: Alte Träume, neue Realitäten
Katharina Politzer: Stadt im Wandel
Gabriele Teutloff: Walther

Eine Ausstellung von 11 Fotograf_innen aus 9 Ländern im Salon Wellenmaschine und in den Schaufenstern im Wassertorkiez. Mit dem Thema „Fremd sein“ setzen sich Fotograf_innen aus Berlin mit den verschiedenen Aspekten des Fremden auseinander. Das Fremde ist für sie eine Facette des eigenen Lebens, dem sie mit Neugier und Entdeckungslust begegnen. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Reportageprojekts, das die Fotojournalistin Ann-Christine Jansson seit einem Jahr am Photocentrum der Gilberto-Bosques-Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg konzipiert und geleitet hat. Fremd sein – Ausstellung im Salon Wellenmaschine und im Wassertorkiez weiterlesen

Wovon sprechen wir, wenn wir von künstlicher Intelligenz sprechen?

Foto: Alession Lin on Unsplash

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem geschlossenen Raum. Durch den Türschlitz werden Ihnen Zettelchen zugesteckt, auf denen chinesische Schriftzeichen stehen. Gehen wir davon aus, dass Sie selbst kein Wort Chinesisch sprechen. Aber im Zimmer gibt es Handbücher, Regeln und Anweisungen, mit denen Sie die Zeichen verarbeiten und daraus passende Antworten erzeugen können.

Da Sie kein Wort Chinesisch verstehen, müssen Sie sich bei Ihren Antworten komplett auf die Anweisungen verlassen und ihnen Schritt für Schritt folgen. Sie schreiben also die entsprechenden chinesischen Zeichen auf den Zettel und geben sie durch den Schlitz wieder heraus. Sie machen nichts anderes als ein Computer (natürlich sehr viel langsamer): Sie verarbeiten einen Input anhand von vorher festgelegten Algorithmen und geben das Ergebnis aus.

Wovon sprechen wir, wenn wir von künstlicher Intelligenz sprechen? weiterlesen

Transmediale Closing Weekend 2017

Agent Ruby Screenshot

I was invited by Daphne Dragona to speak at the closing event of the transmediale festival in the panel “Technology Languages of the Past, Present, and Future” and presented my readings on Lynn Hershman’s work “Agent Ruby” and her film “Technolust” with the wonderful Tilda Swinton.

I am working on writing down my talk – so check this space.

04.03.2017, 13:00–16:30, Studio, Hybrid Event
Technology Languages of the Past, Present, and Future
With Friederike Anders, Florian Cramer, Valie Djordjevic, Manon Kahle, Rotraut Pape, Caspar Stracke
Moderated by Daphne Dragona, Kristoffer Gansing, Florian Wüst

MerkenMerken

MerkenMerken

Das Netz 2016–2017 Digitalisierung und Gesellschaft

Das Netz 2016–2017, Cover: Sam Chivers
Das Netz 2016–2017, Cover: Sam Chivers

Das Magazin „Das Netz 2016–2017 Digitalisierung und Gesellschaft“ vom Verlag iRights.Media ist wieder da. Ich war wieder als Redakteurin und Chefin vom Dienst beteiligt. Außerdem habe ich auch einen Text beigesteuert „Was Pokémon Go mit Locative Art gemeinsam hat“. Das ganze Heft kann man online lesen unter dasnetz.online oder als Print-Magazine kaufen bei iRights.Media.

MerkenMerken

UrbanISTanbul in Kadıköy at Caddebostan Kültür Merkezi (CKM) from 9 – 22 Dec 2016

eposta aralik foto sergisi

We are happy to announce that we are showing our pictures in Istanbul at the Caddebostan Kültür Merkezi (CKM) from December 9th to 22nd, 2016.

UrbanISTanbul shows photographers from Berlin and Istanbul. Coming together for a week in October 2015 they were exploring the changes of Istanbul through their lens. Istanbul experienced massive growth in the last 50 years which lead to an urban dynamic with both positive and negative repercussions. UrbanISTanbul explains the metropolis from different angles and perspectives – between past and future, Europe and Asia, East and West.

Photos by Luzia Marion Bär, Nilüfer Çetin, Valie Djordjevic, Klaus Eisenlohr, Dilek İlhan Güner, Andrea Höhne, Ania Kaszot, Levent Karaoğlu, Türkan Kentel, Deniz Kızılkanat, Nuh Koçak, Tine Kurka, Özgül Küçük, Wilfried Püschel, Peggy-Nicole Sarmann, Patrick Schilling, Frank Seeger and Klaus Wazlak.

More info www.urbanistanbul.de

MerkenMerken

MerkenMerken

Ich war hier, das ist meins

Selfie um 1900
Selfie um 1900

Einige Überlegungen zum Bild im Netz.

„Thomas Pynchon loved this book, almost as much as he loves cameras!“ – Thomas Pynchon in The Simpsons, Diatribe of a mad housewife. 

1

Was ist öffentlich? Die vorherrschende Idee von Öffentlichkeit ist, dass es ein Ort ist, wo Menschen zusammenkommen, um Probleme des öffentlichen Lebens zu besprechen und möglichst Lösungen dafür zu finden. Diese Öffentlichkeit ist im Verschwinden begriffen, sagen die Soziologen.

Wenn es sie denn je gab. Denn was in dieser Definition nicht erwähnt wird ist, dass nicht alle Mitglieder der Gemeinschaft zusammenkommen – weder früher noch heute. Die Gemeinschaft definierte sich durch Ausschluss. Die Öffentlichkeit in der Antike (die als Modell/Vorbild für unsere Öffentlichkeit dient) war Männern vorbehalten (auch nur ganz bestimmten Männern), während Frauen die privaten Sphäre vorbehalten war.

In den 1970er Jahren hieß es „Das Private ist politisch“. Alles ist politisch, nicht nur die Politik. Wie wir leben, wie wir arbeiten, wie wir unsere Kinder erziehen, wie wir Fotos machen und sie zeigen. Die Sphären zwischen Öffentlich und Privat fingen spätestens dann an sich zu vermischen.

Ich war hier, das ist meins weiterlesen

Pokémon Go: Von Pikachu in die Wirklichkeit

Foto: David Grandmougin on Unsplash

In der Verbindung von Realem und Fiktionalem steckt das Vergnügen am Entdecken und am Abenteuer. Es könnte unser Verhältnis zu unseren Lebensräumen grundlegend verändern.

Pokémon ist ein Spiel für 8-Jährige, jedenfalls gefühlt. Wieso jetzt in Berlin, Tokyo und New York alte und junge Menschen herumlaufen, auf ihre Smartphones starren und Magnetilos, Voltobals und Krabbys jagen, ist also nicht ganz nachvollziehbar. 1996 erschien Pokémon in seiner ersten Inkarnation als Videospiel. Das Sammelkartenspiel und die Anime-Serie folgten bald. Der Erfolg kam unerwartet – die Macher waren selbst überrascht.

Seitdem gehören die »Pocket Monster« (daraus entstand der Name Pokémon) zu unserer popkulturellen Matrix – das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg, dass ein Produkt, das außerhalb der USA kommt, das geschafft hat. Für den Kulturwissenschaftler Joseph Tobin, der 2004 die Pokémon-Erfolgsgeschichte nachzeichnete, war das Pokémon-Phänomen ein zeitlich begrenzter Hype, der von 1996 bis 2000 seinen Höhepunkt erreichte. Es zeigt sich nun, dass die Taschenmonster wohl einen längeren Lebenszyklus vor sich haben.

Weiter lesen in der Versorgerin #111

urbanISTanbul – exhibition – Ausstellung

Valie Djordjevic: Procedures for forgetting
Valie Djordjevic: Procedures for forgetting

Am Freitag, den 2. September, eröffnet die Ausstellung „UrbanISTanbul“, an der ich mit der Fotoserie „Procedures for forgetting“ teilnehme. Wie vor drei Jahren, waren wir eine Woche in Istanbul und haben Fotos gemacht und uns Gedanken darüber, was „Stadt“ bedeutet und wie sie sich verändert.

Mehr Info zur Ausstellung gibt es unter www.urbanistanbul.de.


The exhibition „„UrbanISTanbul“ opens on Friday 2 September. I am participating with a series of photos called „Procedures for forgetting“. As it happened three years ago, we were in Istanbul for a week, made photos and put some thoughts into what „city“ means and how it changes.

More information about the exhibition at www.urbanistanbul.de.

UrbanISTanbul 2016

MerkenMerken